„Was brauchst Du liebe Natur?“ – Die Bosheit der Grünen plakatiert

„Was brauchst Du liebe Natur?“ – Die Bosheit der Grünen Indeologie plakatiert

Christoph von Gamm, 15. April 2026

Man ist eigentlich nur kurz draußen, damit der Hund an die nächste Straßenkastanie pinkeln kann, das Gehirn im entspannten Standby-Modus der bürgerlichen Abenddämmerung – und zack, starrt man direkt in den Abgrund der modernen Herrschaftsstrukturen. Da hängt es, mit robusten Kabelbindern ausgerechnet an jenen Baum geklatscht, den der Vierbeiner gerade beschnüffelt.

Man muss heute keine dicken Wälzer in verstaubten Bibliotheken mehr wälzen, um die subtile Bosheit und die Kontrollmechanismen des Systems zu entschlüsseln. Die geballte, pseudofeministisch-toxische Ideologie drängt sich einem schon im profanen Vorbeigehen auf, getarnt als fröhlich-bunte Einladung zum Wirtshaus-Plausch. Es ist die absolute Banalität der Macht: Was auf den ersten Blick wie ein harmloser, leicht naiver Gruß an die „liebe Natur“ wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein hochkomplexes Manifest der Unterwerfung und der elitären Grenzziehung.

Treten wir also einen Schritt zurück, ziehen die Hundeleine etwas kürzer und betrachten dieses scheinbar banale Stück bedrucktes Plastik einmal ohne den weichzeichnenden Filter der guten Absichten. Schnallen Sie sich an, wir dekonstruieren den „Stadtteildialog“ …

1. Michel Foucault: Die pastorale Macht und der Öko-Diskurs

Foucault, der französische Vordenker der Linken, hätte an diesem Plakat seine helle Freude, denn es ist ein Meisterwerk der Gouvernementalität und der biopolitischen Disziplinierung.

  • Der pastorale Hirte: Die Frage „Was brauchst du, liebe Natur?“ ist reine pastorale Machtausübung. Die Politikerin inszeniert sich als fürsorgliche Hirtin, die sich über die „hilflose“ Herde (die Natur) beugt. Die Natur wird infantilisiert („liebe Natur“) und zu einem Objekt degradiert, das vom souveränen Subjekt – der an den Baum gelehnten EU-Parlamentarierin – gerettet werden muss.

  • Wissensmonopol und Diskurskontrolle: Wer darf eigentlich für die Natur sprechen? Foucault würde auf das Line-up verweisen: Eine EU-Politikerin und ein Dr. der Botanischen Staatssammlung. Das ist die perfekte Allianz aus politischer Macht und wissenschaftlicher Autorität. Sie definieren den „Wahrheitsdiskurs“ darüber, was Naturschutz in „Krisenzeiten“ bedeutet.

  • Die Illusion der Partizipation: Es nennt sich „Stadtteildialog“, aber die Machtstrukturen sind bereits zementiert. Das rot leuchtende „Teilnahme nur mit vorheriger Anmeldung möglich“ ist der disziplinarische Wächter am Tor dieses Diskurses. Man will schließlich unter sich bleiben und das Panoptikum der „richtigen“ Meinungen kontrollieren.

2. Bruno Latour: Hybride Absurditäten und Bauchrednerei

Latour, nicht weniger links, würde das Plakat als klassisches Beispiel für die gescheiterte Moderne und die künstliche Trennung von Natur und Gesellschaft (Kultur) zerlegen.

  • Die ultimative Bauchrednerei: Latours Konzept des „Parlaments der Dinge“ fragt, wie Nicht-Menschen politische Repräsentation finden. Auf diesem Plakat sehen wir laut Latour einen klassischen „Sprecher“. Die Politikerin maßt sich an, die Übersetzerin für die stumme „Natur“ zu sein. Die Natur kann aber nicht antworten. Es ist ein politischer Bauchrednerakt, bei dem die Grünen der Natur ihre eigene Parteistimme verleihen.

  • Der hybride Baum: Das visuelle Herzstück ist ein absolutes Fest für die Akteur-Netzwerk-Theorie. Jutta Paulus lehnt an einem Baum, der eine riesige, grellgelbe Sonnenblume – das Parteisymbol – auf die Rinde gemalt oder projiziert bekommen hat. Es gibt hier keine „reine“ Natur. Der Baum ist ein Hybrid, ein Cyborg aus organischer Rinde und politischem Branding. Die „Natur“, die hier gerettet werden soll, ist bereits komplett vom menschlichen politischen Netzwerk durchdrungen und assimiliert.

  • Krise als Netzwerk-Stabilisator: Das Wort „Krisenzeiten“ fungiert als unverzichtbarer Knotenpunkt in diesem Netzwerk. Es mobilisiert die Akteure (Wähler, Experten, Lokalpolitiker) und zwingt sie in das Wirtshaus „Metzgerwirt“, um das Netzwerk der grünen Lokalpolitik zu stabilisieren.

3. Andrzej Łobaczewski: Ponerologie und die lächelnde Technokratie

Łobaczewskis politische Ponerologie untersucht, wie psychopathologische Strukturen und toxische Dynamiken unter dem Deckmantel von großen, noblen Ideologien an die Macht gelangen. Hier wird die Analyse besonders bissig.

  • Der unantastbare moralische Schild: Die „Rettung der Natur“ ist die perfekte ponerologische Ideologie. Sie ist unangreifbar. Wer kann schon gegen die „liebe Natur“ sein? Łobaczewski würde argumentieren, dass das Plakat einen hyper-moralischen Schild aufbaut. Hinter diesem Schild der ultimativen Tugendhaftigkeit lässt sich exzellent Macht akkumulieren und Kritik abwehren. Wer diesen „Dialog“ stört, greift scheinbar die Natur selbst an.

  • Schizoide Spaltung und Pathos: Es gibt eine kognitive Dissonanz zwischen der fröhlich lächelnden Dame mit praktischer Frisur und harter, pseudointellektuer Nickelbrille am Baum und dem drohenden Unterton der „Krisenzeiten“. Ponerologisch betrachtet wird hier eine permanente, diffuse Angst („Krise“) geschürt, auf die sogleich die Erlösung durch technokratisches Management angeboten wird.

  • Bürokratische Kontrollfreude: Das fröhliche Gesicht am Baum ist die Maske; „Teilnahme nur mit vorheriger Anmeldung online“ ist die Realität. Łobaczewski sah in bürokratischen Hürden und der strikten Kontrolle von Zugängen (selbst zu einem profanen „Stadtteildialog“ im Wirtshaus) die Vorboten von Systemen, die Konformität erzwingen wollen. Die „Krise“ rechtfertigt jede noch so kleine Freiheitsbeschränkung – im Zweifel eben auch den spontanen Wirtshausbesuch.

Wir sehen hier nicht einfach eine Einladung zum Bier und Plausch über Bäume. Wir sehen ein biopolitisches Kontrollinstrument (Foucault), bei dem eine Politikerin als Bauchrednerin eines als Parteisäule missbrauchten Baumes fungiert (Latour) und sich dabei eines unantastbaren moralischen Krisen-Schildes bedient, um bürokratische Exklusivität zu rechtfertigen (Łobaczewski). Und das alles beim Metzgerwirt.

PS: Mein Redebeitrag wäre, wenn ich denn Lust hätte mir das anzutun:

„Vielen Dank für das Wort. Ich finde es bezeichnend, dass wir die ‚liebe Natur‘ ausgerechnet hier beim ‚Metzgerwirt‘ retten wollen. Frau Paulus, Sie fragen auf Ihrem Plakat, was die Natur braucht. Aber die Natur spricht nicht. Sie machen sich hier zur politischen Bauchrednerin einer stummen Entität, um Ihre eigene pastorale Macht zu legitimieren. Wir sind heute Abend nicht hier für die Natur. Wir sind hier, damit Sie einen moralischen Schutzschild der ‚Krisenzeit‘ aufbauen können, hinter dem sich exzellent Herrschaft sichern lässt. Wenn die Natur sprechen könnte, würde sie uns vermutlich bitten, sie nicht zu infantilisieren – und vor allem aufzuhören, Plastikplakate mit Kabelbindern an ihre Rinde zu würgen. Danke für diesen hochgradig bürokratisierten ‚Dialog‘.“

christophvongamm

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Dr. Christoph von Gamm ist ein Unternehmer, Investor und Business Angel, der sich an der Schnittstelle von Wirtschaft, Kultur und Technologie engagiert. Er ist CEO und Managing Partner von Cybertrue Capital Partners, einer Firma, die sich mit Investitionen und Deals beschäftigt. Zudem ist er CEO von vonGammCom Global, wo er Beratungs- und Executive-Search-Dienstleistungen im Bereich IT-Outsourcing, große Verträge, Vertriebsführung und umfassende Transformationen anbietet. Seine berufliche Laufbahn umfasst über 20 Jahre globale und pan-europäische Erfahrung, darunter Führungspositionen bei Capgemini Suisse S.A. (2008–2012) und IBM Corporation (1995–2008). Er hat sich als strategisch denkender Führungskraft mit Erfolg bei der Performanceverbesserung großer Organisationen, der Gründung neuer Funktionen und der Pionierarbeit bei globalen Outsourcing-Initiativen etabliert. Sein Schwerpunkt liegt auf der Wertsteigerung durch digitale Transformation und der Nutzung dieser Veränderungen für seine Kunden. Er verfügt über akademische Qualifikationen, darunter einen Doktortitel (Dr. phil.) in interkultureller Wirtschaftswissenschaft von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), einen Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) in Elektrotechnik und Informationstechnik von der TU München sowie ein MBA von der Open University Business School, einen Master of Sales Management von der Portsmouth University, sowie Absolvent des Client Executive Programs der INSEAD Fontainebleau.
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