Selten sieht man so viel Geld so konsequent gegen Geschmack arbeiten. Diese „CEO-Wohnung“ wirkt wie ein PowerPoint-Deck eines Projektentwicklers, der sich dachte: „Luxus = möglichst viel Grau + Glas + Quadratmeterpreis“.
Die Balkonplatten schreien förmlich: „Ich war im Sonderangebot bei Obi.“ Naturstein? Nein, warum auch – Authentizität ist ja völlig überbewertet. Dazu dieses Geländer im charmanten Stil „Kommune trifft Sicherheitsingenieur im Hallenbad“. Man wartet eigentlich nur noch auf das „NICHT VOM BECKENRAND SPRINGEN“-Schild.
Das Parkett – nennen wir es mutig „funktional“. Klickparkett als Statement: „Ich hätte gekonnt, aber ich wollte nicht.“ Gut, es knarzt wahrscheinlich nicht, weil es Angst hat, unangenehm aufzufallen, wie der Rest der Einrichtung. Der Schnuckelofen wird wahrscheinlich lieber nicht angemacht, macht eh nur Dreck.
Und diese Dachterrassen: architektonisch irgendwo zwischen Freigang im Hochsicherheitstrakt und Hamsterkäfig mit Skylineblick. Privatsphäre? Fehlanzeige. Dafür kann man dem Nachbarn beim Avocado-Toast live beim Braunwerden zusehen. Unten macht man sich Hafermilch in der Küche. Testo Negativ.
Das „Büro“, das eigentlich eine umetikettierte Ankleide ist, wirkt wie der verzweifelte Versuch, Homeoffice steuerlich geltend zu machen. Ein CEO, der dort arbeitet, trifft seine strategischen Entscheidungen wahrscheinlich zwischen Hemdenstange und Schuhregal.
Das Schlafzimmer wirkt wie ein Ikea-Schaufenster. Bilder? Braucht keiner. Vorhänge? Überbewertet. Ein Furz in der Nacht und man wacht von seinem eigenen Hall auf, weil nix den Schlaf dämpft. Daß die Nachbarn volle Breitseite auf einen glotzen können, während man mit sich selbst äh… intim ist, wenn das überhaupt mit der Hafermilch geht, kommt dazu. Hat wohl was von Open Plan Office oder so.
Der Duplex-Stellplatz ist dann das Sahnehäubchen: nichts sagt „High-End Living“ so sehr wie hydraulische Wartungsintervalle und Austausch wegen Rost. Hoffentlich ist das wenigstens „Gemeinschaftseigentum“ nach Teilungserklärung. Denn je schwerer das Auto, desto eher Korrosion. Premiumgefühl entsteht hier vor allem auf der Rechnung des Servicetechnikers.
Immerhin: Klimaanlage. Die braucht man auch dringend, weil sich das Dachgeschoss im Sommer wahrscheinlich in eine Mischung aus Gewächshaus und Heißluftfritteuse verwandelt.
Und der Blick auf den Landwehrkanal? Sagen wir so: Er hat Charakter. Leider den eines grauen Montags im November.
Beim Blick auf den Landwehrkanal kommt einem unweigerlich Geschichte in den Sinn, Rosa L. und so – nicht gerade die Art von „Legacy“, die man sich als CEO täglich vor Augen führen möchte. Eher ein unfreiwilliges Memento Mori: Macht, Status, Penthouse – alles schön und gut, aber am Ende bleibt… ein ziemlich mittelmäßiger Ausblick mit Tiefgang, den keiner bestellt hat.
