Ob Google eine Cloudlösung sein kann für Unternehmen mit Wettbewerbsgeheimnissen, das muß einfach zwischendurch mit einem Fragezeichen versehen werden. Vertrauen ist gut. Vorsicht ist besser.
Heute war ich auf der Google Cloud Konferenz in München, Messegelände. Geschätzte 2000 Informatiker, gerne männlich, kleiner, etwas bleich lauschten den Google Oberen und einigen Kunden zu ihren Erkenntnissen. Themen waren künstliche Intelligenz, Maschinenlernen und natürlich Cloud, Cloud, Cloud. Eingerahmt in eine Art von Auto-Scooter-Jahrgangs-Jinglemusik waren dann die Google-Technologen auf der Bühne und haben erklärt.
 
Bei allem was Google so macht: es gibt wirklich viele Nutzeffekte, gar keine Frage. Dennoch: Man darf die Diabolik dahinter nicht unterschätzen. ALLES, wirklich ALLES, was man mit Google macht, wird im Hintergrund analysiert, jeder Klick in einer Google Tabelle, jeder Schrieb in einer Textverarbeitung, jede Präsentation, jeder Bookmark in Google Chrome, jede E-Mail und die Maschine dahinter verknüpft, analysiert, tut und macht. Und versucht dem Nutzer Verbesserungsvorschläge zu geben, was durchaus hilfreich sein kann. Aber effektiv auch alle Daten die in einem Container gelagert werden, alles.
 
Google hat, so wurde erklärt, eine “Zero-Trust-Policy”. Sie trauen niemandem. Denn deswegen sollte man Google vertrauen. Und entsprechend macht Google am liebsten alles selbst: Eigene Datacenter, eigene Server die selbst designed sind, eigene proprietäre Prozessorchipsätze, eigene Schiffe die ihre eigenen Unterseekabel durch die Weltmeere verlegen. VPNs? Mitnichten. Es ist alles im Browser, denn ab dem kann man ja Google trauen. Was dahinter in den Maschinen passiert, da MUSS man Google vertrauen.
 
Ich verwende Google Apps for Business – inzwischen G Suite genannt –  als zahlender Kunde wohlgemerkt seit knapp sechs Jahren. Es ist praktisch, es ist hilfreich, es ist hervorragend für die Zusammenarbeit mit Teams, mit Kunden, mit Lieferanten, wir haben unsere Kalenderplanung bei Rotary darauf aufgesetzt, drei von vier meiner Websites läuft damit ohne daß ich dafür extra zahlen muß… aber gleichzeitig… wenn jedes Meme-GIF das ich auf Google Drive gespeichert habe inzwischen per automatisiertem OCR (Optical Character Recognition) indexiert wird, dann muß man einfach sagen: es ist etwas gruselig. Und ja, als Kunde schützt mich das Datenschutzabkommen das Google mit mir vertraglich geschlossen hat deutlich besser als wenn man einfach “User” ist, denn da ist der einzige Kunde die Werbeindustrie. Zahlste was, biste was. Zahlste nix, biste nix. Gilt auch bei Google. Gleichwohl: Irgendwann wird wohl einer auf die Idee kommen “ja nur die Metadaten” zusammen zu verknüpfen und dann prognostizieren wann ich was wo wie vorhabe.
 
Wir müssen davon ausgehen daß ALLES, aber auch ALLES was über eine Tastatur geht, in die Nähe eines Mikrofons kommt oder an einer Kamera ist oder auf einem Smartphone ist bei Installation von Google Software (Android, Chrome Browser) im Hintergrund mit analysiert wird. Und davon müssen Großkunden genauso ausgehen.
 
Gut, PWC nutzt Google Apps for Business – inzwischen genannt G Suite, Valeo, Viessmann, Conrad Electronic, genügend nützen es und viele nutzen die Cloud-Container so wie auch bei Amazon S3 es genügend versteckte Nutzer gibt, so zum Beispiel der einer oder andere Provider Buchhaltungssoftware. Schön, der deutsche Steuerberater nutzt die Datev aus Nürnberg – und dort laufen auch alle Daten zusammen…
 
Ob daher Google eine Cloudlösung sein kann für Unternehmen, die mit Wettbewerbsgeheimnissen arbeiten, das muß einfach zwischendurch mit einem Fragezeichen versehen werden.  Noch geht es und es gibt Datenschutzabkommen. Aber trotzdem. Jeder hat etwas zu verbergen. Und bestimmte Dinge erzähle ich einfach niemandem. Nicht einmal Google. Vertrauen ist gut. Vorsicht ist besser.