Die „Vulkangruppe“: Sabotage, staatliche Ohnmacht und die paradoxe Logik der Eskalation

Die „Vulkangruppe“: Sabotage, staatliche Ohnmacht und die paradoxe Logik der Eskalation

Die sogenannte „Vulkangruppe“ operiert in Berlin seit bald fünfzehn Jahren. Solche Phänomene sind keine zufälligen Launen, und sie verschwinden nicht einfach wieder. Vieles spricht dafür, daß wir es hier nicht mit isolierten Einzeltätern zu tun haben, sondern mit einer beständigen Bedrohung, die tiefere Wurzeln hat.

 

  1. Das Täterprofil: Insider statt Chaoten Es ist davon auszugehen, daß der harte Kern aus kaum mehr als fünf Personen besteht. Diese Akteure führen kein isoliertes Insel-Leben. Sie sind höchstwahrscheinlich in breiteren Antifa-Strukturen aktiv, fallen dort aber nicht durch Militanz auf, sondern agieren als „Schläfer“. Die Art der Anschläge legt eine beunruhigende Hypothese nahe: Hier sind Fachleute am Werk. Als Ermittler müsste man den Fokus zwingend auf Insider-Wissen legen:

 ➡️ Ehemalige oder noch aktive Mitarbeiter von Infrastrukturbetreibern (z. B. Stromnetz Berlin).

 ➡️ Personen, die technisch versiert sind (Elektrotechnik, Netzarchitektur) und politisch durch eine Nähe zu kommunistischen oder anarchistischen Randbereichen aufgefallen sind. 

➡️ Expertise im Bau von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV), wie sie teilweise in paramilitärischen Trainings der Szene vermittelt wird.

 

  1. Marke statt Organisation Ein plausibles Szenario ist, daß „Vulkangruppe“ weniger eine feste Organisation als vielmehr ein Label ist – eine Art „Franchise-Marke“, die von unterschiedlichen autonomen Kleinstzellen genutzt wird. Dieses Branding-Prinzip erklärt die Langlebigkeit: Selbst wenn eine Zelle inaktiv wird oder zerschlagen würde, operiert die nächste unter demselben Namen weiter. Das erschwert die Zurechnung für die Ermittlungsbehörden massiv.

 

  1. Das Dilemma der „Duldung“ und politische Paralyse Die These, daß die Täter staatlichen Stellen oder bestimmten Politikern namentlich bekannt sind, ist brisant, aber nicht von der Hand zu weisen. Doch was landläufig als „Duldung“ interpretiert wird, ist in Wahrheit oft eine Mischung aus gerichtlicher Beweisnot und politischer Risikoaversion. Man weiß oft, in welchem „Teich“ man fischen müsste, aber das Netz hat zu große Maschen. Hinzu kommt eine politische Komponente: Ein harter Zugriff ist riskant, insbesondere in einer Stadt wie Berlin, wo politische Biographien bisweilen fließende Übergänge zwischen Szene und Mandat aufweisen (Stichwort: Innensenator mit Szene-Vergangenheit). Der Druck aus den eigenen politischen Reihen führt hier eher zur Paralyse als zur Aufklärung.

 

  1. Die paradoxe Logik des Sicherheitsstaats Unabhängig von der Ideologie der Täter löst jeder Anschlag das immer gleiche, fast rituelle Reaktionsmuster aus – eine Dialektik der Eskalation, die letztlich genau das System stärkt, das die Täter bekämpfen wollen: 

➡️ Militarisierung im Inneren: Die Rufe nach Bundeswehreinsätzen zum Schutz kritischer Infrastruktur werden lauter und salonfähiger. Eine Grundgesetzänderung wäre dann im Krisenfall nur noch eine Formsache. 

➡️ Ausbau des Überwachungsstaats: Es folgen Gesetzesverschärfungen und mehr Überwachung. Die Ironie: Auch wenn die Täter links sind, trifft die staatliche Aufrüstung oft primär den politischen Gegner (Rechts) oder die bürgerliche Mitte.

 ➡️ Privatisierung der Sicherheit: Während Stadtteile wie Dahlem faktisch zu Gated Communities mit redundanter Versorgung und Polizeischutz werden, sind normale Bürger auf sich gestellt. 

➡️ Autarkie der Wohlhabenden: Wer es sich leisten kann, rüstet privat auf – mit Notstromaggregaten, Solinseln und privaten Sicherheitsdiensten.

 

  1. Ermittlungsansätze einer SOKO Würde man eine Sonderkommission ohne politische Scheuklappen leiten, wären dies die logischen operativen Schritte: 

➡️ Schnittmengenanalyse (Personal): Abgleich von Kündigungen/Abgängen bei Netzbetreibern mit Personen, die in der PMK-Links-Datei (Politisch motivierte Kriminalität) geführt werden. 

➡️ Forensik der Zünder: Woher stammt das Material? Militärische Bestände oder spezifische Bauanleitungen aus dem Darknet? 

➡️ Retrograde Funkzellenabfrage: Auch wenn Profis keine Handys am Tatort nutzen: Wer war bei den Vorbereitungshandlungen (Auskundschaften der Masten und Brücken Wochen zuvor) in den Funkzellen eingeloggt? Gibt es Überschneidungen? 

➡️ Forensische Linguistik: Eine Analyse der Bekennerschreiben ist essentiell. Da KI-Modelle aufgrund eingebauter Sicherheitsfilter („Snitching“) die Erstellung solcher Texte verweigern, ist von menschlicher Urheberschaft auszugehen. Stilometrische Vergleiche mit anderen Texten der Szene könnten Autoren identifizieren. 

➡️ Geografischer Fokus: Der historische Ausgangspunkt der Aktivitäten lag im Osten Berlins, möglicherweise im Raum Karlshorst. Eine Rasterfahndung sollte hier ansetzen (historische Knotenpunkte der Infrastruktur).

Fazit: Eine funktionale Symbiose Am Ende bleibt die unbequeme Frage: Ist die Destabilisierung kritischer Infrastruktur für die Täter tatsächlich ein Mittel zur Systemüberwindung? Oder sind sie die „nützlichen Idioten“ der Hardliner? Es bedarf keiner bewussten Kollaboration zwischen Tätern und Staat. 

Es genügt eine funktionale Symbiose

➡️ Radikale Aktionen erzeugen Schock.

 ➡️ Der Staat antwortet mit Ordnung und Kontrolle. 

➡️ Die Gesellschaft zahlt mit Freiheit und Geld.

So entsteht ein Kreislauf, der sich selbst stabilisiert – auch ganz ohne formelle „Duldung“.

christophvongamm

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Dr. Christoph von Gamm ist ein Unternehmer, Investor und Business Angel, der sich an der Schnittstelle von Wirtschaft, Kultur und Technologie engagiert. Er ist CEO und Managing Partner von Cybertrue Capital Partners, einer Firma, die sich mit Investitionen und Deals beschäftigt. Zudem ist er CEO von vonGammCom Global, wo er Beratungs- und Executive-Search-Dienstleistungen im Bereich IT-Outsourcing, große Verträge, Vertriebsführung und umfassende Transformationen anbietet. Seine berufliche Laufbahn umfasst über 20 Jahre globale und pan-europäische Erfahrung, darunter Führungspositionen bei Capgemini Suisse S.A. (2008–2012) und IBM Corporation (1995–2008). Er hat sich als strategisch denkender Führungskraft mit Erfolg bei der Performanceverbesserung großer Organisationen, der Gründung neuer Funktionen und der Pionierarbeit bei globalen Outsourcing-Initiativen etabliert. Sein Schwerpunkt liegt auf der Wertsteigerung durch digitale Transformation und der Nutzung dieser Veränderungen für seine Kunden. Er verfügt über akademische Qualifikationen, darunter einen Doktortitel (Dr. phil.) in interkultureller Wirtschaftswissenschaft von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), einen Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) in Elektrotechnik und Informationstechnik von der TU München sowie ein MBA von der Open University Business School, einen Master of Sales Management von der Portsmouth University, sowie Absolvent des Client Executive Programs der INSEAD Fontainebleau.
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