Die Wiederauferstehung der Kugel
Ich habe nun eine IBM-Kugelkopf-Schreibmaschine.
Selectric II. Courier 12. Mit Korrekturband.
Über Kleinanzeigen. Natürlich mit Story.
Leutstetten bei Starnberg.
Ein 31-jähriges Gothic-Girlie. Eltern tot – Vater mit 60, Mutter Ende 50.
Nettes Häusl. IKEA-Einrichtung. Alles ein bisschen zu dunkel. Weil das Licht fehlte.
Und dann saßen wir da auf dem Boden und versuchten, eine Schreibmaschine wieder zum Leben zu erwecken. Sie hielt ihr iPhone als Taschenlampe und versuchte zu helfen wie sie konnte.
Die Kugel drehte sich.
Der Anschlag war da.
Aber das Farbband bewegte sich nicht.
Ich bot ihr einen Fuffy an.
Sie nickte. Ohrentunnels. Freundlich. Unkompliziert.
Sie wollte einfach nur fünfzig Euro.
Die Rückfahrt: Leutstetten – Gauting – dann durchs Revier.
Überall Manic Traffic Jam.
Gefühlt ganz Bayern auf der Suche nach gebrauchten Kugelkopf-Schreibmaschinen.
Im Stau dann die Erleuchtung.
YouTube. Spreche rein: “IBM Typewriter Ribbon doesn’t move.”. Erstes Video: Ein alter Sack aus den USA wird mein rettender Erklärbär.
Nicht das Farbband – die Schienenführung der Farbbandkassette.
Verharzt. Fest. Jahrzehnte unbewegt.
Zuhause: Ballistol. Geduld. Bewegung.
Ein paar Millimeter. Dann mehr.
Dann der Moment.
Die IBM Selectric II schreibt wieder
wie am ersten Tag.
Courier 12.
Sauber. Präzise. Unbestechlich.
Der Staat sollte jedem Mann so ein Goth-Girlie zuteilen.
Vielleicht.
Sie hatte Ohrentunnels.
Sie war sehr nett.
Und wollte eben nur einen Fuffy.

