Das Barrel Öl kostet zurzeit ca 95$. Und wir haben Rekordpreise bei Diesel und Benzin. Viele vergessen, dass im Juli 2008 der Preis für ein Barrel knapp 150$ betrug. Damals wurden Rekordpreise an Tankstellen gezahlt: 1,50€ für Benzin und 1,30€ für den Diesel. Was hat sich seitdem verändert? Ach ja, die Steuern.
Die große Zapfsäulen-Lüge
Es gibt einen einfachen Test für wirtschaftspolitische Ehrlichkeit:
Man fährt zur Tankstelle.
Dort steht sie, die nackte Wahrheit – auf drei Stellen hinter dem Komma genau. Kein Spin, keine Pressekonferenz, kein „Narrativ“. Nur ein Preis. Und dieser Preis sagt: Der Staat ist längst Hauptprofiteur.
Ökonomisch betrachtet ist die Sache banal:
Ein Liter Benzin besteht aus drei Komponenten:
- Rohöl (der eigentliche Marktpreis)
- Verarbeitung & Vertrieb
- Abgaben
Der Clou: Der größte Posten ist heute nicht der Markt – sondern der Staat.
Und jetzt wird es interessant:
Wenn der Ölpreis steigt, steigen die Preise.
Wenn der Ölpreis fällt, bleiben die Preise hoch.
Warum?
Weil der Staat einen fixen Zugriff hat – und zusätzlich prozentual (Mehrwertsteuer) mitschneidet.
Das ist kein Nebeneffekt. Das ist ein Geschäftsmodell.
Vom Marktpreis zur politischen Preisbildung
2008 war der Ölpreis hoch, ja. Aber der Endpreis war noch halbwegs marktnah.
Heute hingegen ist der Preis ein politisches Konstrukt:
- Energiesteuer (fix pro Liter)
- CO₂-Preis (politisch festgelegt, nicht marktgetrieben)
- Mehrwertsteuer (prozentual auf alles – auch auf die Steuer selbst)
Ökonomen nennen das eine Kaskade von Preisaufschlägen.
Der Staat kassiert also:
- einmal fix
- einmal variabel
- und einmal auf seine eigenen Abgaben
Das ist keine Steuer mehr. Das ist eine Mehrfachabschöpfung entlang der Wertschöpfungskette.
Die CO₂-Illusion: Marktinstrument oder Planwirtschaft im Anzug?
Offiziell ist der CO₂-Preis ein „marktbasiertes Instrument“.
Tatsächlich?
- Preise werden politisch festgelegt oder gedeckelt
- Mengen werden administrativ gesteuert
- Alternativen sind oft noch nicht wettbewerbsfähig
Das ist kein Markt.
Das ist Preissteuerung mit moralischem Überbau.
Oder präziser:
Ein Schattenpreis, der nicht aus Knappheit entsteht, sondern aus politischer Zielsetzung.
Die eigentliche ökonomische Pointe
Energie ist kein Gut wie jedes andere.
Sie ist ein Inputfaktor für alles.
Wenn du Energie verteuerst:
- steigen Transportkosten
- steigen Produktionskosten
- steigen Lebensmittelpreise
- sinkt reale Kaufkraft
Das nennt man in der Ökonomie einen Kostenschock mit Breitenwirkung.
Und genau dieser Schock wird politisch erzeugt – nicht durch Knappheit, sondern durch Abgaben.
Der perfide Kreislauf
Hier wird es fast schon lehrbuchhaft:
- Staat verteuert Energie (Steuern, CO₂)
- Preise steigen systemweit
- Bürger verlieren Kaufkraft
- Staat verteilt „Entlastungspakete“
Das ist kein Unfall.
Das ist ein geschlossener Kreislauf.
Oder anders:
Erst wird dir das Geld über den Preis genommen – dann bekommst du einen Teil davon als Subvention zurück.
Ökonomisch ist das hochineffizient.
Politisch ist es genial.
Und jetzt die eigentliche Zumutung
Das Ganze wird nicht als fiskalische Maßnahme verkauft – sondern als moralische Pflicht.
Du zahlst also nicht nur mehr.
Du sollst es auch noch für richtig halten.
Der Preis ist nicht mehr nur ein Signal für Knappheit.
Er ist ein Instrument zur Verhaltenslenkung.
Das ist der entscheidende Bruch zu 2008.
Damals war Benzin teuer, weil Öl teuer war.
Heute ist Benzin teuer, weil es teuer sein soll.
Fazit: Die Zapfsäule als ökonomisches Lehrstück
Wer verstehen will, wie sich ein System verändert hat, muss nicht in Studien schauen.
Ein Blick auf die Tankrechnung reicht.
Dort sieht man:
- wie aus Marktpreisen politische Preise werden
- wie aus Steuern Steuerketten werden
- und wie aus Knappheit ein Argument wird
Die Zapfsäule ist kein Ort mehr für Angebot und Nachfrage.
Sie ist ein Ort für fiskalische Realität.
Oder, noch einfacher:
Früher hat der Staat am Rand mitverdient.
Heute sitzt er an der Zapfpistole.
