Der ZDF Fernsehkrimi als Psychopille für Deutschland von 1968 bis in die 2000er

Der ZDF Fernsehkrimi als Psychopille für Deutschland von 1968 bis in die 2000er

Narrativbildung und Benimmschule für das Volk

Christoph von Gamm, Januar 2026

Persönliche Vorbemerkung des Autors

Wenn ich die Krimiserie „Der Kommissar“ anschaue, dann sehe ich immer mehr die Geschichte von heimatlosen Menschen aus Norddeutschland und dem Sudetenland, die in München im Jahr 1968-1972 Fuß fassen wollen und es irgendwie nicht schaffen. Inzwischen verstehe ich, warum ich Der Kommissar gut finde und warum ich Derrick ablehne. Der Kommissar erzählt die Brüche in den Menschen und zeigt das Verbrechen als Ergebnis einer Gesamtsituation, der Vertreibung, Entwurzelung, Entfremdung in einer Stadt der Hoffnung (München). Derrick hat damit aufgehört und bringt nur noch Individualisierung, ohne Kontext. Man sollte das Thema der Entwurzelung vergessen. Auch Derrick spielt immer in München, ebenso „Der Alte“ aber hier immer ohne Kontext. Bemerkenswert: Kontinuität war der Auftragsdrehbuchautor Herbert Reinecker, ein ehemaliger SS Propagandaleiter. Interessant sind vor allem die Coping Strategien dieser Entwurzelten. Sie wissen ja daß etwas „nicht stimmt“, aber es gibt ihnen keiner etwas an die Hand. Im Gegenteil: Was hier gezeigt wird: Wer nicht pariert und sich nicht einpasst, gerät in den Abgrund des Verbrechens. Das ist die Message für das Volk. 

Zusammenfassung

Dieser Aufsatz analysiert die zentralen ZDF-Krimiserien der Nachkriegszeit (Der Kommissar, Derrick, Der Alte) und interpretiert sie als „Psychopille für Deutschland“, inszeniert vom ehemaligen SS-Propagandaoffizier Herbert Reinecker. Der Kommissar (1969–1976) wird als ungewollte Soziologie der gescheiterten Integration von Vertriebenen und Binnenmigranten in München gesehen, deren Scheitern sich in den Mordtaten als „biografische Implosionen“ manifestiert. Derrick (1974–1998) und Der Alte (ab 1977) dienten demgegenüber als „Beruhigungsnarrative“: Derrick individualisierte Schuld, versteckte soziale Probleme hinter Wohlstandsbildern und moralisierte Konflikte, um die Bundesrepublik als „gereinigt“ darzustellen, was ihn international exportierbar machte. Der Alte bot ein inländisches Ventil für die Restrealität und begleitete die emotionale Transformation der Gesellschaft, ohne sie kritisch zu hinterfragen. 

 

Die Kontinuität von NS-Propagandatechniken in der Unterhaltungskultur wird als „Mentalitätsmanagement“ des ZDF zur Stabilisierung der Republik interpretiert, während die heutigen Krimis als „Haltungsserien“ eine weitere Stufe der „Entwirklichung“ darstellen. Abschließend wird die historische Erfahrung von Der Kommissar als Vorstudie für die Integrationsherausforderungen der Gegenwart und Zukunft in München gesehen.

 

Was diesen Text deutlich von anderen Krimianalysen unterscheidet, ist die Weigerung, bei Oberflächen zu bleiben: Er decodiert die Serien nicht als bloße Unterhaltung, sondern als pharmakologische Interventionen in eine traumatisierte Gesellschaft. Reineckers NS-Hintergrund als Kontinuität propagandistischer Techniken (Emotionalisierung ohne Erklärung) ist ein schlagkräftiger Punkt, der die Serien in die längere Geschichte deutscher Medienverdrängung einbettet. Und der Fast-Forward-Abschnitt ist ein Weckruf: München als „Verdichtungsmaschine“ für Prekarität, wo Integration nicht durch Ankunft, sondern Verankerung scheitert – das hallt nach, besonders in Zeiten von Ukrainern, Syrern usw.

Download des Essays (PDF, 45 Seiten), 900 kB20260111 Der ZDF Fernsehkrimi als Psychopille für Deutschland

Bildhinweis: KI generiertes Bild.

christophvongamm

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Dr. Christoph von Gamm ist ein Unternehmer, Investor und Business Angel, der sich an der Schnittstelle von Wirtschaft, Kultur und Technologie engagiert. Er ist CEO und Managing Partner von Cybertrue Capital Partners, einer Firma, die sich mit Investitionen und Deals beschäftigt. Zudem ist er CEO von vonGammCom Global, wo er Beratungs- und Executive-Search-Dienstleistungen im Bereich IT-Outsourcing, große Verträge, Vertriebsführung und umfassende Transformationen anbietet. Seine berufliche Laufbahn umfasst über 20 Jahre globale und pan-europäische Erfahrung, darunter Führungspositionen bei Capgemini Suisse S.A. (2008–2012) und IBM Corporation (1995–2008). Er hat sich als strategisch denkender Führungskraft mit Erfolg bei der Performanceverbesserung großer Organisationen, der Gründung neuer Funktionen und der Pionierarbeit bei globalen Outsourcing-Initiativen etabliert. Sein Schwerpunkt liegt auf der Wertsteigerung durch digitale Transformation und der Nutzung dieser Veränderungen für seine Kunden. Er verfügt über akademische Qualifikationen, darunter einen Doktortitel (Dr. phil.) in interkultureller Wirtschaftswissenschaft von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), einen Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) in Elektrotechnik und Informationstechnik von der TU München sowie ein MBA von der Open University Business School, einen Master of Sales Management von der Portsmouth University, sowie Absolvent des Client Executive Programs der INSEAD Fontainebleau.
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